ArbeitsweltAusbildung

Nah an Mensch und Schreibtisch

Lena King sitzt seit sieben Monaten fest im Verwaltungsdrehstuhl. Im Amt für Migration und Integration – kurz AMI – kümmert sich die 23-Jährige seither um Personalthemen. Zuvor durchlief die ehemalige Studentin der Sozialwirtschaft viele spannende Stationen in der Stadtverwaltung – mit Lieblings- und Respekt-Einsätzen.

Nach ihrem Freiwillig Sozialen Jahr (FSJ) in einer Schule für Kinder mit körperlicher Behinderung war für Lena King klar: Sie möchte im sozialen Bereich arbeiten. Am liebsten nah an den Menschen, aber in Kombination mit einer geregelten und planbaren Schreibtischarbeit. Das duale Studium der Sozialwirtschaft bei der Stadt Freiburg schien ideal.

Zu Beginn dieses Studiengangs müssen sich die künftigen Student*innen entscheiden, ob sie ihre praktischen Phasen beim Amt für Kinder, Jugend und Familie (AKI), beim Amt für Soziales (AfS) oder beim AMI durchführen möchten: „Mir war klar, dass ich mit Geflüchteten arbeiten möchte“, sagt Lena und fügt hinzu: „Ich würde mich zu 100 Prozent wieder für das AMI entscheiden.“

Lena King aus dem Amt für Migration und Integration.
Lena King würde sich immer wieder fürs AMI entscheiden

Sechs spannende Praxis-Phasen

Die Schulbank drückte die duale Studentin mit ihren Kommiliton*innen in Villingen-Schwenningen. Für die gebürtige Schrambergerin ein Katzensprung zu ihrem damaligen Zuhause: So konnte Lena in den Schulzeiten das gewohnte Kinderzimmer bewohnen und in den Praxis-Phasen das Studentenleben in Freiburg genießen.

Ihr erster praktischer AMI-Einsatz war in einer Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete. Hier war Lena nah am Leben der dort untergebrachten Menschen. „Ich war im Sozialen Dienst tätig und die Arbeit war sehr erfüllend, da ich direkt unterstützen und Wirkung erzielen konnte“, sagt die heute studierte Sozialwirtin.

Vor ihrem zweiten Einsatzort hatte Lena Respekt: Die Ausländerbehörde. „Das war anfangs etwas schwierig für mich. Das Rechtliche finde ich unglaublich spannend, aber dort müssen manchmal auch negative Entscheidungen getroffen werden. Ich möchte meine Arbeit hingegen gerne mit Positivem verknüpfen.“

In der Ausländerbehörde wurde Lena letztlich in der Abteilung Einbürgerung eingesetzt. Doch um vielfältige Erfahrungen sammeln zu können, durchlief sie alle Sachgebiete mit den unterschiedlichsten Themenschwerpunkten: humanitäre Migration, Familienmigration, Bildungs- und Erwerbsmigration und auch das Clearing (Schalter). „Ich bin sehr dankbar über die vielfältigen Eindrücke, die ich in dieser Zeit sammeln durfte. Das dort erworbene Wissen konnte ich in den verschiedensten Situationen einsetzten – in späteren Praxiseinsätzen, an der Hochschule und auch im Privaten.“

Nach einem weiteren Praxis-Bereich mit dem wohlklingenden Schwerpunkt „Leistungsgewährung nach dem Asylbewerberleistungsgesetz“ ging es für Lena in ihre persönliche „Lieblingsphase“: Die Mitarbeit im Projekt MyTurn. „Hier habe ich Frauen mit Migrationserfahrung, die formal eher gering qualifiziert sind, auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt begleitet“, sagt die 23-Jährige.

Lena half den Frauen beim Bewerbungsmappen erstellen, machte mit ihnen Sprachtrainings und Empowerment-Kurse oder half ihnen bei der Orientierung auf dem Freiburger Arbeitsmarkt. „Die Projektarbeit hat alles vereint, was ich mag: Den direkten Kontakt mit den Menschen sowie kreative, organisatorische und administrative Arbeiten.“

In der vorletzten Phase lernte Lena die AMI-Abteilung kennen, in der sie heute arbeitet: „Ich lernte personalrechtliche Themen kennen, sichtete Bewerber*innenunterlagen und durfte an Vorstellungsgesprächen teilnehmen. Bei der Stabsstelle sammelte ich Erfahrungen im Bereich von Gewaltschutz bis hin zu Controlling, beantwortete Fraktions-Anfragen und durfte Gemeinderatssitzungen besuchen. Dabei habe ich viel Verwaltungsarbeit über das AMI hinaus kennengelernt“, sagt Lena King.

Veränderung aktiv gestalten

In der letzten Praxis-Phase durfte Lena noch einmal in die Projektarbeit bei My Turn zurück, da es Thema ihrer abschließenden Bachelor-Arbeit war. Kurz nach dem erfolgreich abgeschlossenen Sozialwirtschaftsstudium unterschrieb sie im November ihren unbefristeten Arbeitsvertrag im Amt für Migration und Integration. „Jetzt bin ich für die personalrechtlichen und -wirtschaftlichen Themen im Bereich der Ausländerbehörde zuständig“, sagt die Sozialwirtin.

„Genau für die Abteilung, bei der ich mir zu Beginn meines Studiums am Unsichersten war. Und genau das finde ich so genial: Ich habe in meinen drei Jahren im AMI erfahren, dass manche Ausländer*innen der Ausländerbehörde mit Vorbehalten oder Unbehagen begegnen – die Politik legt die Regularien fest, aber ich kann Einfluss darauf nehmen, dass dort empathische Kolleg*innen sitzen, die auch den Menschen mit ihrer Geschichte und nicht nur die Akte im Fokus haben.“