ArbeitsweltTüren auf!

Zu Besuch in der OASE

Die OASE in Freiburg ist ein Zentrum für wohnungslose Menschen. Bis zu 48 Personen können hier eine vorübergehende Bleibe finden. Der Alltag in der OASE ist für die Bewohner*innen wie für die Mitarbeitenden jeden Tag eine Herausforderung.

„Es ist kein sicherer Ort hier“, sagt Simon Ücker. Er leitet seit 2018 das Zentrum für wohnungslose Menschen in der Haslacherstraße. Ücker sagt diese Worte ohne Angst, eher mit einer überlebenswichtigen Abgebrühtheit ohne die man diesen Job nicht lange machen kann. Jeden Tag steht die Polizei vor der OASE, oft auch der Krankenwagen. Jeden Tag erleben die 25 Kolleg*innen traurige Schicksale und gefährliche Auseinandersetzungen.

OASE Freiburg
Etwas Sarkasmus gehört beim Präsenzdienst dazu.

2006 startete die OASE als reine Notunterkunft. Heute ist sie mit angesiedeltem Jobcenter und Arbeitsvermittlung ein Gesamtkonzept. Auch eine ambulante Fachberatung mit offener Sprechstunde, ein Sozialdienst sowie Individualhilfen oder Gewaltprävention werden angeboten. Der Präsenzdienst (12 Mitarbeitende) arbeitet sieben Tage die Woche im Drei-Schicht-Dienst. „Sie sind Mädchen für alles“, sagt Simon Ücker über die rein männlichen Kollegen. Sie übernehmen die Erstaufnahme, die Schlüsselvergabe sowie Bettwäschen- und Mediausgabe.

Sie sind aber auch Zimmerkontrolleure, Müllabfuhr, Waffenexperten, Kummerkasten, Blitzableiter, Ersthelfer, Tatortreiniger und und und…
Wer diesen Job macht, braucht ein dickes Fell, das wird beim Besuch in der OASE schnell klar. Die Wände erzählen Geschichten: Von Hasskommentaren, über Liebesbotschaften ist alles vertreten. „Wir müssen ein bis zwei Mal im Jahr streichen“, sagt Ücker und zeigt lächelnd auf die Kunstwerke.

Kunstwerke an den Wänden in der OASE Freiburg
Wand-Kunst in der OASE.

Er führt uns in eine offene, sehr spartanische Küche der männlichen Bewohner, bei den Frauen sehe diese wohnlicher aus, sagt Ücker. Wir bekommen außerdem Einblicke in die Büroräume des Sozialdienstes sowie den Keller. Hier können die Bewohner*innen Wäsche waschen und ihr Hab und Gut deponieren.

Von 9 bis 16 Uhr bleibt die OASE für seine Bewohner*innen geschlossen. Dann rückt der Putzdienst an und der Präsenzdienst entmüllt die Räume. Sechs Monate kann es dauern, bis eine Person ein Einzelzimmer in einem der 13 Wohnheimen der Stadt bekommt, mehrere Jahre bis sie über die Stadtbau in die eigenen vier Wände ziehen kann.

In den 12 m² Zimmern in der OASE sollen eigentlich zwei Personen untergebracht werden. Für Frauen stehen vier Zimmer zur Verfügung. Doch statt 48 Menschen sind es oft 60 und mehr, die hier eine vorübergehende Bleibe suchen. Für Ücker und seine Kolleg*innen eine schwierige Aufgabe. Sie haben eine Aufnahmepflicht, bauen dafür auch Notbetten auf und sind im ständigen Austausch mit Wohnheimen sowie anderen Anlaufstellen.

Viele Bewohner*innen bleiben nicht lange, denn auch für sie ist diese Situation kaum erträglich. Erschwert wird das enge Zusammenleben durch Suchtdruck, Krankheiten, Aggressionspotenzial und Sprachbarrieren. Aber es gibt auch die Geschichten, die gut ausgehen. „Wir erfahren neben viel Unmut auch sehr viel Dankbarkeit“, sagt Simon Ücker.

Insgesamt 2.500 wohnungslose Menschen sind in Freiburg registriert. Etwa 200 davon, schlafen unter freiem Himmel – auch im Winter. In den Wohnheimen der Stadt gibt es etwa 400 Plätze für Einzelpersonen + 90 Plätze für Familien und Alleinerziehende in der Bötzinger Straße.